Preiskampf auf Kosten der Patienten
Dumpingangebote und Fakebewertungen in der Schönheitsindustrie

Preiskampf artikel

Wer auf der Suche nach einem guten Arzt ist, der holt sich seine Informationen hauptsächlich über die Bewertungen anderer Patienten ein. Allerdings haben in letzter Zeit einige Recherchen – darunter ein Bericht des ZDF Magazins „frontal 21“ – gezeigt, dass man diesen Noten auf bekannten Portalen nicht blindlinks vertrauen sollte. Denn einige Mediziner kaufen sich beste Bewertungen für ihre Praxen.

Verlockende Billigangebote

Seit Jahren boomt das Geschäft mit Schönheitsoperationen. Zehntausende Männer und Frauen lassen sich jährlich operieren, mit steigender Tendenz. Im Vergleich zu 2010 hat sich die Anzahl der chirurgischen Eingriffe knapp verdoppelt. Etliche Ärzte nutzen diese lukrative Möglichkeit und bieten unabhängig ihrer Eignung auch Schönheitsoperationen an. Problematisch hierbei ist, dass es für den Begriff „Schönheitschirurg“ keine Zulassungsvoraussetzungen gibt. Das bedeutet, dass jeder Mediziner mit einem Facharzt-Titel – ungeachtet des medizinischen Gebietes und der Erfahrungen im Bereich Plastische Chirurgie – diesen Beruf ausführen darf. Kein Wunder also, dass vor allem in Ballungszentren immer mehr Ärzte und Kliniken auf den Markt drängen. Da der Wettbewerb um Patienten permanent zunimmt, versuchen viele Chirurgen sich durch besonders günstige Preise hervorzutun und mit Rabatten die Kunden anzulocken. Nicht selten werden beispielsweise „zwei zum Preis von einem“-Hyaluron-Angebote für Freundinnen unterbreitet oder sogenannte Open Days veranstaltet. Der Neukundengewinn wird in solchen Praxen ganz groß geschrieben.

Mehr Schein als Sein

Doch wie seriös können solche Anbieter wirklich sein, bei denen die Konditionen deutlich unter dem Durchschnitt liegen? Potentielle Patienten, die nun Nachforschungen über solche Praxen respektive Kliniken anstellen, werden schnell bei Portalen wie Jameda oder den jeweiligen Facebook-Fanseiten fündig und entdecken durchweg positive Erfahrungsberichte. Sehr gute Leistungen zu sehr guten Preisen – klingt fast zu gut, um wahr zu sein? Das ist es leider auch. Die Ergebnisse überzeugen nicht und Patientinnen sind unglücklich, manche haben mit massiv verformten Brüsten zu kämpfen. Doch auf Verständnis oder Entgegenkommen der behandelnden Ärzte können die Betroffenen nicht zählen. Die streiten nämlich jedwede Art der Kritik ab, drohen teilweise sogar mit Anwälten. Doch wie kommt es, dass solche Praxen weiterhin erfolgreich im Geschäft sein können? Vertuschung lautet hier die Antwort.

Gekaufte Bewertungen

Besonders auffällig sind die Machenschaften in sozialen Netzwerken. Laut Presse wurden Zeuginnen auf Anfrage nach Erfahrungen mehrfach privat angeschrieben. Diese bekamen Nachrichten voller Lobgesänge auf die Ärzte und teilweise sogar Gutscheine für kostenlose Beratungsgespräche angeboten. Mittlerweile weiß man, dass diese Empfehlungen gekauft waren und es sich dementsprechend um verbotene Schleichwerbung handelte. Darüber hinaus wurden beispielsweise im Fall MSC – Meine Schönheitschirurgie negative Kommentare und schlechte Bewertungen einfach von der Fanseite entfernt. Aber nicht nur auf Facebook, sondern ebenfalls auf dem Ärzte-Bewertungsportal Jameda wurden bereits des Öfteren unliebsame Beiträge gelöscht. Man weiß von Ärzten, die Beschwerden über angeblich verlogene Bewertungen eingereicht hatten, damit diese ihren Schnitt nicht negativ beeinflussten. Auf diese Weise wird das Bild über Leistungen sowie Misserfolge verzerrt und Patienten werden in die Irre geführt.

Sich als hilfesuchender Patient zu informieren wird vor diesem Hintergrund noch schwieriger, denn Neutralität und Glaubwürdigkeit der Erfahrungsberichte gehen verloren. Deswegen ist es wichtig, sich eine unabhängige Quelle für Informationen zu suchen.

Sie haben Fragen oder wünschen eine kostenlose Beratung?

Kontaktieren Sie uns gerne, wir melden uns umgehend bei Ihnen.