Schön und schlau? -
Wieso wir attraktive Menschen für kompetenter halten

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Schönheitsoperationen boomen seit Jahren und immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Brustvergrößerung, Augenlidstraffung oder auch Nasenkorrektur. „Schöne Menschen haben es leichter“, sagt man ja häufig – vielleicht liegt es daran. Aber stimmt diese Annahme überhaupt? Und auf welchen Grundlagen werden solche Vermutungen getroffen?

Mit dieser verzwickten Frage beschäftigt sich die Attraktivitätsforschung bereits seit einigen Jahrzenten. In neurowissenschaftlichen sowie psychologischen Studien will man herausfinden, welche Wirkung unser Aussehen auf andere hat und wie einflussreich eben diese Wirkung besonders im sozialen Kontext ist.

Bedeutung für die gesamte Entwicklung

Fest steht, dass attraktive Menschen bereits in der Kindheit anders wahrgenommen und dementsprechend behandelt werden. Als Babys werden sie von ihren Müttern deutlich häufiger auf den Arm genommen und geküsst, als Kleinkind bekommen sie mehr Aufmerksamkeit von Verwandten und in der Schulzeit haben sie nicht nur viele Freunde, sondern auch bessere Noten. Auf diese Weise entwickelt sich bereits früh ein ganz anderes Selbstbild – und dementsprechendes Auftreten - als bei ihren unattraktiveren Spielkameraden, Mitschülern oder Kollegen.

Aber wie genau entsteht dieser Unterschied im Verhalten hübschen und weniger hübschen Menschen gegenüber? Grund hierfür ist das sogenannte Attraktivitätsstereotyp, welches bereits in den 70ern von den Sozialpsychologen Dion und Berscheid beschrieben wurde. („What is beautyful is good“). Es besagt, dass wir, natürlich unbewusst, attraktiven Menschen automatisch positivere Charaktereigenschaften zuschreiben. Wir assoziieren gutes Aussehen also mit Attributen wie Intelligenz, Zufriedenheit, Kreativität und Fleiß. Im gleichen Atemzug ist auch der Umkehrschluss zu nennen. Nämlich dass weniger attraktiven Menschen dementsprechend schlechtere Eigenschaften zugesprochen werden. Unwillkürlich sehen wir sie als unmotivierter, träger und unzufriedener an.

Gut aussehen – gut verdienen?

Wer gut aussieht, der hat also bessere Chancen über seine gesamte Lebensplanung hinweg. Dies trifft insbesondere auf das Berufsleben zu. So ist es nicht selten, dass schöne Menschen bei gleicher Bildung und Erfahrung eher einen Job bekommen, als Mitbewerber ohne diese optischen Vorteile. Dieses Phänomen ist in den verschiedenen Branchen allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt. Beispielsweise wird das Erscheinungsbild in Forschung und Entwicklung oder auch Controlling nicht so wichtig angesehen wie in Bereichen wie Marketing, Vertrieb oder Presse. Das liegt hauptsächlich daran, dass alle Menschen aufgrund der assoziierten Eigenschaften bevorzugt mit hübschen Personen Geschäfte eingehen. Diese sozial-kognitiven Prozesse sorgen dafür, dass wir einem attraktiven Gegenüber leichter Glauben schenken und ihm eher etwas abkaufen. Es ist demnach kein Wunder, dass sich schöne Menschen auch in Verhandlungen unabhängig von der Qualität ihrer Argumente erfolgreicher durchsetzen und gut aussehende Dozenten an der Universität als kompetenter bewertet werden.

Der optische Unterschied wirkt sich jedoch nicht nur auf den beruflichen Erfolg aus, sondern ist sogar finanziell messbar. Studien haben ergeben, dass attraktive Personen knapp fünf Prozent mehr verdienen als ihre Kollegen mit durchschnittlichem Aussehen und sogar zehn Prozent mehr als diejenigen, die optisch gesehen zu dem untersten Zehntel gehören. Bei Frauen klafft diese Schere noch deutlich stärker auseinander – laut dem Institut zur Zukunft der Arbeit(IZA) liegt hier der Unterschied zum Durchschnitt bei knapp 20%.

Gründe in der Evolution

Zusammenfassend lesen sich diese Aussagen nicht unbedingt fair, daher stellt sich die Frage: Warum behandeln wir attraktive Menschen vergleichsweise besser und schreiben ihnen vorteilhafte Eigenschaften zu? Für die Entstehung dieser unterbewussten Bewertung gibt es zwei Grundannahmen in der Wissenschaft. Erstere wird vor allem von Evolutionsbiologen und –psychologen verteidigt und besagt, dass schöne Menschen mit einem symmetrischen und „durchschnittlichen“ Äußeren im Hinblick auf die genetische Ausstattung den perfekten potentiellen Sexualpartner darstellen. Aus diesem Grund bekämen sie deutlich mehr Aufmerksamkeit. Dem zweiten Ansatz nach wird beim Anblick attraktiver Gesichter das Belohnungszentrum in unserem Vorderhirn aktiviert, wodurch wir auf gewisse Weise süchtig nach Schönheit werden können.

Rein biologisch gesehen, können wir also nichts dafür, dass wir handeln wie wir handeln.

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