Steuerliche Absetzbarkeit von Schönheitsoperationen

Steuern

Genauso selten wie die Krankenkasse den finanziellen Aufwand für eine Schönheitsoperation übernimmt, so selten kann der Patient die Kosten steuerlich absetzen. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmefälle, in denen eine Operation als außergewöhnliche Belastung zählt.

Grundsätzlich ist es so, dass Krankheitskosten durchaus in die Einkommenssteuer mit einbezogen werden können – sofern sie Folge von anerkannten Krankheiten oder Unfällen sind. Schönheitsoperationen, wie eine Brustkorrektur oder eine Haartransplantation, werden in der Regel nicht als notwendig angesehen und sind daher auch nicht als außergewöhnliche Aufwendungen absetzbar.

Gerichte setzen Kriterien fest

Aus verschiedenen Gerichtsurteilen geht jedoch hervor, dass es durchaus möglich ist, diese Kosten anerkennen zu lassen. Hauptkriterium hierfür ist ein Gutachten eines Fach- oder Amtsarztes(ein Attest des Hausarztes reicht nicht aus), welches die rein medizinischen Gründe des Eingriffs bestätigen. Die angedachte Operation muss also dazu dienen, eine Erkrankung(oder Missbildung) zu heilen beziehungsweise sie zu lindern. Hierzu zählen unter anderem auch psychische Erkrankungen, die durch beispielsweise Missbildungen entstanden sind. Auch Folgeerkrankungen können als medizinische Indikation angesehen werden. Beispielsweise, wenn sich jemand eine Fettschürze entfernen lässt, da schlimme Kreislaufprobleme oder auch starker Gelenkverschleiß durch das Übergewicht vorhanden sind. Wichtig ist, dass das Attest bereits vor der eigentlichen Operation eingeholt werden sollte.

Darüber hinaus gibt es eine Art Kriterien-Katalog nach Rechtsprechung der Sozialgerichte, welcher erfüllt werden muss:

  • Es muss eine Beeinträchtigung der Körperfunktion vorliegen oder eine Abweichung vom „Normalfall“, welche entstellend wirkt.

  • Dies bedeutet, dass die Auffälligkeit objektiv sein und Reaktionen anderer hervorrufen muss. Dazu zählen beispielsweise Neugier oder auch Betroffenheit.

  • Des Weiteren muss die entstellende Wirkung ständige Blicke und eine besondere Beachtung zur Folge haben, welche dazu führen, dass der Betroffene sich sozial zurückzieht.

  • Darüber hinaus muss die Auffälligkeit so sehr ausgeprägt sein, dass diese bereits bei flüchtiger Begegnung das Interesse Dritter auf sich zieht und sich stark im Alltag bemerkbar macht.

Vor diesem Hintergrund wird die Schwierigkeit der Umsetzung deutlich.

Sachlage in der refraktiven Chirurgie ist einfacher

Bis vor ein paar Jahren konnte jede Aufwendung für Augenlasern als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, sofern ein Attest vom Amtsarzt vorlag. Heute bedarf es nicht einmal mehr des vorherigen Attest, da eine Fehlsichtigkeit immer als Krankheit eingestuft wird und somit alle Laser- oder Lasikbehandlungen nach §33 EStG anerkannt werden müssen. Auch Fahrtkosten können von Patienten angerechnet werden, sofern die Klinik in einer anderen Stadt liegt. Übersteigen diese Gesamtkosten für das Augenlasern nun die zumutbare Belastung innerhalb eines Jahres, werden sie steuermindernd geltend gemacht. Die Belastungsgrenze ist von der steuerlichen Situation abhängig und errechnet sich somit anhand des Einkommens, der Steuerklasse und Anzahl der Kinder.

Nachfolgend eine Übersicht mit den zumutbaren Belastungsgrenzen für die steuerliche Absetzbarkeit.

Einkünfte pro Jahr in € ohne Kinder   mit Kinder  
  ledig verheiratet bis 2 Kinder mind. 3 Kinder
bis 15.340 5% 4% 2% 1%
15.341 bis 51.130 6% 5% 3% 1%
über 51.130 7% 6% 4% 2%

Beispielrechnung: Ein Mann mit einem Jahresbruttogehalt von 40.000€, verheiratet und mit zwei Kindern, hat eine zumutbare Belastung von 3% und einen Durchschnittssteuersatz von 20%. Bei 40.000€ Jahreseinkommen liegt die zumutbare Belastung bei 1.200€. Kostet die Augenlaserbehandlung 4.000€, liegt der Restbetrag der nicht zumutbaren Belastung bei 2.800€. Somit kann der er mit einer Steuerrückerstattung in Höhe von etwa 560€ rechnen.

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