Knochenaufbau


Ein fester und stabiler Kieferknochen ist für den Halt der Zähne das A und O. Wird ein Zahn gezogen oder geht verloren, baut sich der Kieferknochen um 0,1 mm - 1 mm im Jahr ab (Atrophie). Allerdings sind eine ausreichende Knochenmenge und die Qualität des Knochens die Grundlagen für das erfolgreiche Einpflanzen eines Implantats. Ist die Knochenmenge nicht ausreichend und die Qualität des Knochens schlecht, kann der Kieferknochen wiederaufgebaut werden. Der Knochenaufbau oder die Augmentation kann im Ober- und Unterkiefer vorgenommen werden. Die gängigsten Methoden sind der interne und externe Sinuslift, der umfangreiche Knochenaufbau, die Knochenspreizung und die Knochenspaltung, das Bone-Engineering, die Distraktionsosteogenese und die Socket-Preservation. Weitere Techniken stellen die Knochenblock-Transplantation und die PRP-Methode dar. Welches Verfahren zum Knochenaufbau verwendet wird, hängt von den bereits vorhandenen Knochen und der Lage (Ober- oder Unterkiefer, Front- oder Seitenzähne) ab.

Knochenaufbau: Materialien und Verfahren


Material für den Knochenaufbau

Um den abgebauten Knochen zu ersetzen, können folgende Materialien benutzt werden:

  • körpereigener Knochen (wird aus verschiedenen Stellen entnommen, es besteht kein Infektionsrisiko, für mittlere bis große Kieferdefekte)
  • natürliche Knochenersatzmaterialien (werden aus tierischen Knochen und Bindegewebe gewonnen, geeignet für kleinere Kieferdefekte oder als Beimischung zu körpereigenem Kieferknochen)
  • synthetische Knochenersatzmaterialien (bestehen auf Kalzium basierenden Keramiken, geeignet für kleinere Kieferdefekte)

Sinuslift

Hat ein Knochenabbau im Oberkiefer stattgefunden, kann dieser mit einem externen oder internen Sinuslift ausgeglichen werden. Hierzu wird ein kleiner Teil der Nasennebenhöhle mit künstlichem Knochenmaterial gefüllt. Bei dem internen Sinuslift setzt der Zahnarzt den künstlichen Knochen durch den Bohrstollen des Zahnimplantats ein. Danach wird das Zahnimplantat in die Bohrung eingeschraubt und der Knochenaufbau verschlossen. Der Eingriff hinterlässt keine äußerlich sichtbaren Narben. Beim externen Sinuslift legt der Zahnarzt ein seitliches Knochenfenster in der Nasennebenhöhle an. Der künstliche Knochen wird dann durch dieses Fenster unter die Haut der Nasennebenhöhle gesetzt. Danach wird das Fenster mit einer Membran verschlossen.

Umfangreicher Knochenaufbau – Beckenkammentnahme

Liegt ein ausgeprägter Kieferdefekt vor, muss vor dem Setzen von Zahnimplantaten ein umfangreicher Eigenknochen entnommen werden. Hierfür wird häufig der Beckenkamm benutzt. Diese Knochenentnahme erfolgt in Vollnarkose mit einem minimalinvasiven Verfahren. Die gewonnenen Knochenstücke werden anschließend mit kleinen Titanschrauben am Restkieferknochen befestigt. Jedes Knochentransplantat wird schließlich mit Mundschleimhaut bedeckt, um die Einheilung zu erleichtern. Nach der Einheilung wird die Mundschleimhaut über dem geformten Kieferkamm eröffnet und das Zahnimplantat eingesetzt.

Knochenspreizung

Knochenspreizungen (Bone-Spreading) werden durchgeführt, wenn der Kieferknochen zu schmal wird, um eine ausreichende Breite für den Einsatz eines Implantates zu erhalten. Hierbei wird der Kieferknochen vertikal mithilfe eines speziellen Meißels gespalten. In die so entstandene Lücke kann anschließend das Implantat eingesetzt und die verbleibenden Freiräume mit Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden.

Bone-Splitting

Die Knochenspaltung wird durchgeführt, wenn der Kieferknochen für die Knochenspreizung zu schmal ist. Bei dieser Methode wird der Knochen gespalten und zusätzlich gedehnt, um ein Implantat setzen zu können. Auch hier wird nach Setzen des Implantats der verbleibende Raum mit Knochenmaterial aufgefüllt.

Bone-Engineering

Einige Proteine regen das Knochenwachstum an, wenn sie an bestimmten Stellen gezielt eingebracht oder Implantate damit präpariert werden. Die wichtigsten Proteine sind die Bone Morphogenetic Proteins (BMPs). Diese Technik befindet sich noch in der experimentellen Erprobung.

Distraktionsosteogenese

Diese Technik wird angewendet, um den Kieferknochen zu erhöhen. Hierbei wird der Kieferknochen horizontal in einen unteren und einen oberen Teil durchtrennt und gespalten. In dem Spalt wird eine Spezialschraube am Knochen fixiert und in geringen zeitlichen Abständen weitergeschraubt. Dieses Vorgehen regt die Bruchheilung des Knochens und damit die Knochenneubildung an. Auf diese Weise kann pro Tag ca. 1 mm zusätzliche Knochenhöhe gewonnen werden. Hierzu muss die befestigte Schraube allerdings einige Wochen getragen werden.

Socket-Preservation

Bei jeder Extraktion eines Zahnes kommt es zum Verlust von Knochengewebe. Denn das Zahnfach (Alveole) fällt ein und die Kontur des Kieferknochens wird schmaler. Socket-Preservation verhindert dieses Einsinken des Zahnfleisches in die entstandene Zahnlücke. Dabei wird die Knochenhöhle des Zahnes mit körpereignem Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt und die Wunde mit einer Naht gesichert.

Knochenblock-Transplanatation

Hat sich der Unterkieferknochen abgebaut, kann der fehlende Knochen mit Eigenknochen ausgeglichen werden. Hierbei wird ein Stück Eigenknochen (Knochenblock) aus dem Unterkiefer, dem Weisheitszahnbereich oder dem Beckenkamm entnommen und im defekten Unterkiefer fixiert. Bei nur geringen Knochendefekten kann ein zerkleinerter Knochen verwendet werden. Die Stelle wird schließlich mit einer künstlichen Membran bedeckt und hinterlässt keinerlei äußere Narben. Nach der mehrmonatigen Einheilung des Knochenblocks wird ein Implantat eingesetzt.

PRP-Methode

Die PRP-Methode bezeichnet den Einsatz von plättchenreichem Plasma zur Unterstützung der Wund- und Knochenheilung. Das Plasma wird mit Knochen- oder Knochenersatzmaterial vermengt und an der betreffenden Stelle eingesetzt. Dadurch bildet sich der Knochen schnell und hochwertig neu.

Kosten und Zuschüsse der Krankenkasse


Behandlung Preise
Knochenmaterial aus dem Unterkiefer 450,00 € - 1.150,00 €
Knochenmaterial aus dem Beckenkamm etwa 4.500,00 €
Knochenanlagerung 200,00 € - 450,00 €
Knochenverlängerung 1.500,00 € -4.000,00 €
Innerer Sinuslift 200,00 € - 400,00 €
Äußerer Sinuslift 500,00 € - 1.400,00 €
Socket Preservation 200,00 € - 450,00 €

Die Kosten für den Knochenaufbau sind bei jedem Patienten unterschiedlich und errechnen sich nach dem Fortschreitungsgrad der Erkrankung, dem operativen Aufwand (OP-Technik), der Größe der zu behandelnden Kieferregion sowie dem benötigten Material.

Die Kosten für den Knochenaufbau werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen. Ausnahmeindikationen stellen schwere Kieferkrankheiten wie z.B. Kieferdefekte durch Unfälle, Allergien, Krebstumore oder das genetischbedingte Fehlen von Zähnen dar. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in Abhängigkeit vom Zahndefekt pauschal einen festgelegten Betrag – den Festzuschuss. So kann eine vorhandene Zahnlücke mit einer Zahnbrücke oder mit einem Einzel-Zahnimplantat therapiert werden. In beiden Fällen ist der Festzuschuss identisch. Haben Sie in der Vergangenheit Ihr Bonusheft gepflegt und alle Vorsorgeuntersuchungen eingehalten, bietet Ihnen die Krankenkasse eine Erhöhung des Festzuschusses von 20%-30% an. Haben Sie ein sehr geringes Einkommen, besteht die Möglichkeit einer Härtefallregelung. Hierbei gelten die Brutto-Einkommensgrenzen: Bei Alleinstehenden: 1.106,00 € bei einem Angehörigen: 1.520,00 € bei jedem weiteren Angehörigen: 276,50 € zusätzlich Treffen diese auf Ihre Situation zu, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung den doppelten Festzuschuss. Einige private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten des Knochenaufbaus – häufig jedoch nicht komplett. Daher sollten Sie vorab bei Ihrer Versicherung nachfragen. Weiterhin gibt es ab dem Jahr 2007 abgeschlossene Zahnzusatzversicherungen, die bis zu 100% der Kosten des Knochenaufbaus übernehmen. Fragen Sie aber auch hier in jedem Fall bei Ihrer Zusatzversicherung nach.

Einzel-Zahnimplantat: ca. 319,00 € - 415,00 € (in Abhängigkeit vom individuellen Bonus) Implantate im Unterkiefer: 317,00 € - 413,00 € (in Abhängigkeit vom individuellen Bonus) Implantate im Oberkiefer: 296,00 € - 411,00 € (in Abhängigkeit vom individuellen Bonus)

Die Vor- und Nachsorge beim Knochenaufbau


Vor der Behandlung:

  • Röntgen- oder volumentomografische Untersuchung durch den behandelnden Arzt
  • ausführliche Anamnese durch den behandelnden Arzt
  • Essen und Trinken ist vor der Behandlung möglich (wenn keine Vollnarkose durchgeführt wird)

Nach der Behandlung:

  • behandelte Stelle mit einem Kühlakku kühlen und ausreichend lange Kühlpausen einlegen
  • kein Autofahren, Rauchen, Alkoholkonsum und Kaffee unmittelbar nach dem Eingriff
  • bei leichten Nachblutungen leicht auf ein sauberes Stofftaschentuch beißen
  • bei stärkeren Nachblutungen zahnärztlichen Notdienst aufsuchen
  • gründliche Mundhygiene betreiben und Wundgebiet aussparen
  • Schmerzmittel nach Vorgabe des Arztes einnehmen
  • körperliche Anstrengung, Sauna- und Solariumbesuche in den ersten Tagen nach dem Eingriff vermeiden
  • vereinbarte Kontrolltermine einhalten

Risiken und Komplikationen


  • Abstoßung des Knochenmaterials
  • Infektionen
  • Risiko Oberkieferbehandlung: Verletzung der Membran zwischen Nasen- und Kieferhöhle
  • Risiko Unterkiefer: Verletzung des Unterkiefer- oder Zungennervs mit vorübergehenden Taubheitsgefühl von Lippe oder Unterlippe

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