Magenballon


In Deutschland sind 23,9% der Frauen und 23,3% der Männer adipös. Auch der Adipositasanteil deutscher Jugendlicher ist sehr hoch: 17,6% der Mädchen und 22,6% der Jungen sind stark übergewichtig. Als übergewichtig gelten Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25. Ab einem BMI von 30 spricht man von Fettleibigkeit (Adipositas). Adipositas ist ein enormer Risikofaktor für schwerwiegende Erkrankungen, wie Diabetes, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Darmkrebs und mehr. Mechanische Folgeerscheinungen wie Gelenkalterung, Arthrose, eine eingeschränkte Beweglichkeit oder psychische Begleiterscheinungen wie Depressionen, sind keine Seltenheit bei stark übergewichtigen Personen.

Entsprechend hoch ist der Leidensdruck von Männern und Frauen mit einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 40. Eine weitreichende, nachhaltige Gewichtsabnahme ist jedoch häufig eine zu große Hürde und fällt oft nicht leicht. Bevor eine Fettabsaugung oder eine Hautstraffung infrage kommt, müssen betreffende Personen zumindest annähernd ihr Wunschgewicht erreicht haben. Der erste Schritt zu diesem Gewicht kann der Einsatz eines Magenballons sein.

Die Behandlung im Überblick


Kann das Gewicht nicht mithilfe einer Ernährungsumstellung und entsprechender Bewegung in dem Maße reduziert werden, wie sich der Patient es sich wünscht, kann der Einsatz eines Magenballons eine sinnvolle Maßnahme sein. Der minimal-invasive Eingriff wird ambulant durchgeführt und kann jederzeit rückgängig gemacht werden. Ein Magenballon ist ein weicher, dehnbarer Ballon, der zur Minimierung der Nahrungsaufnahme und somit zur Gewichtsreduktion dient. Der Magenballon sorgt dafür, dass bereits vor der Nahrungsaufnahme ein Sättigungsgefühl einsetzt. Auf diese Weise nimmt der Patient weniger Nahrung zu sich und verliert an Gewicht. Eine realistische Gewichtsabnahme beträgt ca. 10 - 20kg. Um einen noch größeren Effekt zu erzielen, sollten Patienten ihre Ernährung umstellen und sportlich aktiver werden.


Vorteile eines Magenballons


  • einfache Methode
  • minimal-invasives Verfahren
  • ambulante Behandlung
  • Behandlungsdauer: 20-30 Minuten
  • keine Operationsrisiken
  • keine Narben
  • Maßnahme kann jederzeit rückgängig gemacht werden (reversibles Verfahren)
  • Gewichtsabnahme von 10-25 kg (innerhalb von 6 Monaten)
  • langfristige Wirkung (auch nach Entfernen des Magenballons)

Magenballon: Wer ist geeignet?


Voraussetzungen

Neben einem Mindestalter von 18 Jahren müssen Interessenten mindestens einen der genannten Punkte erfüllen, um für den Einsatz eines Magenballons infrage zu kommen:

  • stark übergewichtige Patienten mit einem BMI von 35 bis 40, deren Versuche an Gewicht zu verlieren, zum wiederholten Mal vergeblich waren
  • Patienten, die vor einer Fettabsaugung oder Hautstraffung erst deutlich ihr Gewicht reduzieren müssen
  • Personen mit sehr starkem Übergewicht (BMI über 70), bei denen ein operativer Eingriff notwendig aber nicht möglich ist

Mögliche Ausschlusskriterien

  • schwere Entzündungen im Verdauungstrakt, Blutgerinnungsstörungen, schwere Nieren-, Leber- oder Lungenerkrankungen oder psychische Erkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • chronische, langfristige Steroid-Behandlungen
  • mangelnde Bereitschaft zur Annahme von den für den Erfolg der Therapie notwendigen Essensgewohnheiten
  • Drogen- oder Alkoholabhängigkeit in den vergangenen 12 Monaten

Magenballon: Kosten & Finanzierung


Behandlung Preise
Magenballon Kosten ab 2.000 € bis ca. 3.000 €
Beratungsgespräch Kosten ab 30 € bis ca. 80 €

  • Beratungsgespräch (ca. 30-80 Euro)
  • Operation (Operateur, OP-Schwestern, steriler OP-Raum, Material, Instrumente)
  • Materialkosten (z.B. Magenballon, Narkosemittel)
  • ggf. Übernachtungskosten in der Klinik oder Praxis
  • ggf. Nachsorge

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für den Einsatz eines Magenballons im Normalfall nicht. In einzelnen Fällen erstatten die Krankenkassen die Kosten. Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn der Patient sehr stark übergewichtig ist und ein umfangreicherer, invasiverer Eingriff zu riskant wäre.

Kann der Patient die Kosten nicht direkt begleichen, bieten Kliniken oft die Möglichkeit an die jeweilige Behandlung mittels monatlicher Raten abzubezahlen. Diese werden auf den jeweiligen Patienten individuell zugeschnitten und können oftmals direkt über die betreffende Klinik abgewickelt werden. Ein Finanzierungsantrag sollte auf Basis des im Beratungsgesprächs zusammengestellten Kostenvoranschlags beim Kreditpartner der jeweiligen Klinik gestellt werden. Natürlich besteht neben der Abwicklung der Finanzierung über die Klinik auch die Möglichkeit einen Kredit bei der Bank aufzunehmen.

Ablauf des Eingriffs


Ein Magenballon wird durch den Mund in den Magen eingeführt. Der Arzt führt zu diesem Zweck mit einer Endoskopiekamera eine erste Magenuntersuchung durch. Wenn keine Anomalien festgestellt werden, kann der Arzt den Magenballon durch den Mund und die Speiseröhre im Magen einsetzen. Ein solcher Magenballon besteht aus einem weichen und geschmeidigen Silikonelastomer und wird im ungefüllten Zustand eingeführt. Um den Schluckprozess angenehmer zu gestalten, betäubt eine Oberflächenanästhesie den Kehlbereich. Sobald der Ballon im Magen ankommt, wird er durch den am Ballon angebrachten Füllschlauch (Katheter) mit 500-700 ml Kochsalzlösung befüllt. Nach dem Füllvorgang entfernt der Arzt den Katheter. Der Ballon schwimmt nun frei im Magen. Das Einsetzen dauert unter normalen Umständen 20-30 Minuten und endet mit der Patientenbeobachtung durch den Arzt. Treten infolge des Eingriffs keine Komplikationen auf, kann der Patient entlassen werden.

Der Ballon verbleibt über einen Zeitraum von sechs Monaten im Magen. Da der säurehaltige Mageninhalt das Ballonmaterial im Laufe der Zeit schwächt und die Entleerung des Ballons fördert, ist die Entfernung nach Ablauf des Zeitraums notwendig. Die Entfernung des Ballons findet ebenfalls durch die Speiseröhre und den Mund statt. Hierzu nutzt der Arzt ein Endoskop und punktiert, entleert und entfernt den Ballon schließlich. Dieser Eingriff dauert ebenfalls ca. 20 Minuten und wird im Dämmerschlaf durchgeführt.

Magenballon: Risiken & Komplikationen


Allgemeine Risiken (u.a. Nachblutungen, Schwellungen, Blutergüsse oder –Gerinnsel (Thrombose), Infektionen) gelten auch für den Einsatz eines Magenballons. Ein Spannungsgefühl, Übelkeit und Bauchschmerzen sind in den ersten Tagen nach der Operation normal.


Weitere Komplikationen sind:


  • Platzen des Magenballons (die blau eingefärbte Kochsalzlösung färbt den Urin nach Platzen des Ballons blau. Dies ist ein Indiz dafür, dass der Patient einen Arzt aufsuchen sollte)
  • Flüssigkeitsdefizit (Dehydratation) und Elektrolytverschiebungen durch eine falsche Ernährung
  • Magengeschwüre
  • Nekrose (Absterben) der Magenwand
  • Ruptur (Riss) des Magens und des Zwölffingerdarms
  • Darmverschluss (Ileus) durch abgegangenen Magenballon
  • Einatmen von Magensaft in Luftröhre und Lunge (Aspiration)

Vor- und Nachsorge beim Magenballon


Vor dem Einsatz eines Magenballons sollte neben einem ausführlichen Beratungsgespräch beim Arzt eine medizinische Voruntersuchung stattfinden, durch die unter anderem Gerinnungsstörungen (durch Blutabnahme) und Gewebeveränderungen im Magen ausgeschlossen werden können. Neben einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand und dem Prüfen bestimmter Ausschlusskriterien, sind diverse Aspekte vor und nach dem Einsetzen eines Magenballons zu beachten:

Was vor einer Operation zu beachten ist:

  • Gerinnungsstörungen und Gewebeveränderungen sollten durch den Chirurgen ausgeschlossen werden
  • vor dem Eingriff sollte der Patient 12 Stunden keine Nahrung zu sich genommen haben

Was nach dem Einsatz eines Magenballons zu beachten ist:

  • für eine nachhaltige Gewichtsabnahme sind eine Ernährungsumstellung und sportliche Aktivitäten nach der Operation von besonderer Bedeutung
  • nach 6 Monaten wird der Magenballon mittels eines Endoskops im Rahmen eines ambulanten Eingriffs wieder entfernt

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